E-Bass: mit Fingern oder Plektrum spielen?

Wenn man Anfänger ist, stellt sich häufig die Frage, ob man den E-Bass besser mit Fingern oder mit dem Plektrum spielt.

Ich würde sagen, es kommt vor allem auf den Sound an den man haben möchte, also auf die klangliche Vorstellung. Denn es klingt jeweils anders – und man spielt auch anders. Das Ergebnis sollte ausschlaggebend für die Entscheidung sein. Um den klanglichen Unterschied zu demonstrieren, habe ich in einem Video eine kurze Basslinie zweimal hintereinander aufgenommen, 1x mit Fingern und 1x mit Plektrum gespielt:

 

Mit Fingern gespielt, hat man einen wärmeren, satteren Sound, aber weniger Attack. Mit Plektrum klingt der Anschlag nicht so voluminös, dafür aber knackiger. Das hängt dann auch noch vom Spieler und vom Equipment ab: je nach Bass oder Bassverstärker klingt der Sound etwas anders. Klanglich ist es also vor allem eine Sache des Geschmacks, auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass man mit der Fingertechnik vielseitiger ist. Zudem ist man flexibler, da man während dem Spielen nahtlos in andere Spieltechniken – wie zb. das Slappen – umschalten kann, weil man kein Plektrum in der Hand hat. Im Unterricht fange ich grundsätzlich mit der Fingertechnik an, die Plektrumtechnik kann dann später dazukommen.

Oft wird das Argument angeführt, dass es leichter sei mit Plek zu spielen. Ich finde, das stimmt nur wenn man von der Gitarre kommt und schon ausreichend Erfahrung mit dem Plektrum hat. Dann fällt der Umstieg leichter, als wenn man zum ersten mal mit Fingern spielt. Grundsätzlich hat das Anschlagen mit dem Plek auf dem Bass aber auch Nachteile: da die Saiten deutlich weiter auseinander liegen und dicker sind, als das bei der Gitarre der Fall ist, muss man recht große Bewegungen machen – das kann dann beim schnellen hin und her wechseln zwischen den Saiten Probleme verursachen. Wenn man die ganze Zeit auf einer Saite spielen würde, wäre es natürlich einfacher – aber welcher Bassist spielt schon freiwillig einen 1-Saiter 😉

Damit sollte auch die anscheinend recht verbreitete Meinung, dass man mit dem Plektrum schneller spielen kann, aus dem Weg geräumt sein. Um schnell spielen zu können, muss man seine Anschlagstechnik beherrschen – egal ob man nun mit Fingern oder Plektrum spielt, beides hat Vor- und Nachteile – was wiederum von der Situation abhängt.

Je nach Wahl der Anschlagstechnik verändert sich außerdem meine Spielweise, also die Art und Weise, wie ich mit Dynamik, Phrasierung und Rhythmik umgehe. Denn das Spielgefühl selbst ist unterschiedlich: während ich mit den Fingern ein direktes Kontaktgefühl zur Saite habe, ist das beim Plektrum nicht der Fall: hier habe ich ein Stück Kunststoff in der Hand und berühre nicht mehr direkt die Saiten.

Die Musikrichtung spielt natürlich auch eine Rolle. Im Punk wird häufig mit Plektrum Bass gespielt – im Jazz eher selten und beim Slappen überhaupt nicht. Aber das ist natürlich Geschmackssache und es gibt genug Beispiele, wo der Bassist oder die Bassistin eine unübliche Lösung gewählt hat.

Ausschlaggebend für die Entscheidung sollten vor allem 3 Punkte sein:

  1. Wie soll es klingen, welche Vorstellung von meinem Bass-Sound habe ich?
  2. Die Wahl der Technik beeinflusst meine Spielweise und meine Möglichkeiten – das sollte berücksichtigt werden.
  3. Welchen Musikstil spiele ich: Punk oder Jazz, Metal oder Blues – passt die Wahl der Anschlagstechnik zur Musikrichtung?

Die beste Lösung lautet natürlich: auf Dauer mit beiden Techniken vertraut machen und dann im Einzelfall ausprobieren – so hält man sich alle Möglichkeiten offen!

Zur Wahl des Plektrums emfpehle ich meinen Beitrag zu diesem Thema: →Das richtige Plektrum für Gitarre oder Bass finden

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